Denken, Glauben, Schreiben

Nun sitze ich hier schon seit gefühlten Stunden vor dem Monitor und starre auf diesen blinkenden Strich. Er hört aber auch nicht auf zu blinken, dieser senkrechte Strich, und beweist eine schier endlose Geduld mit mir, die nur von diesem lästigen Bildschirmschoner in Abstand von zehn Minuten unterbrochen wird. „Wie fange ich nur diesen Blog an“, schießt mir dann durch den Kopf, während kleine Windows Fenster über den Monitor tanzen. „Welche Worte wähle ich nur, um meine Leser zu begrüßen?“

Dann denke ich mir, gibt es überhaupt Leser? Gibt es Menschen, die sich für das, was ich schreibe – oder von dem ich denke, das ich es schreiben werde – interessieren? Und wenn ja, warum? Warum interessieren sich Menschen dafür, was andere Menschen so treiben obwohl sie einem noch nie begegnet sind? Warum sollten sie wissen wollen, was ich denke und warum? Ich bin ja kein Popstar oder so was, und erst recht kein Celebrity, doch ich denke, ich habe etwas zu erzählen – nein, ich glaube, ich habe etwas zu erzählen… Der Glaube schlägt das Denken… zuweilen zumindest ^^.

Vielleicht zuerst zu meinen Personalien. Ich heiße Annabell M., bin 25 Jahre alt und lebe und liebe in Darmstadt. Ich bin Besitzerin eines Cafés im Noir-Stil, sieben Tische, mit angeschlossener, kleiner Backstube. Das Geschäft läuft ganz gut,um es kurz zu halten, kein übermäßig hoher Umsatz, doch die Kunden sind bereit, meine Preise zu bezahlen ^^.

Ein Freund von mir hat diesen Blog schon vor zwei Jahren eingerichtet, doch ich kam nie dazu, hier etwas zu schreiben. Na ja, „nicht dazu kommen“, ist vielleicht nicht ganz glücklich ausgedrückt, doch richtig ist die Zeit, die kommen muss, damit etwas geschieht – so wie jetzt, hier und in diesem Moment. Ich habe mir fest vorgenommen, mindestens einmal in der Woche etwas kurzes über den Schmerz und das Glück, in dem der Duft des Lebens innewohnt, zu schreiben. Vielleicht mal kleine Anekdoten meiner Gäste, vielleicht einmal eine große, hinreißende Liebesgeschichte aus dem Sein. Lasst Euch einfach überraschen ^^.

Schließen möchte ich mit ein paar Gedanken zum schrecklichen Tod von Alexander McQueen. Die Nachricht über seinen Selbstmord hat mich tief bestürzt. Zwar waren seine Kreationen nicht unbedingt meine Liebsten (insbesondere sein Vergewaltigungsquatsch war einfach nur Ekel erregend), doch er zählte zu den kreativsten Köpfen der Haute Couture. Er hat in seinem Leben alles erreicht, was er sich erträumt hat und konnte trotzdem nicht verhindern, dass ihn seine liebsten Menschen (seine Mutter und Isabella Blow) viel zu früh verlassen mussten. Ich glaube, niemand kann ermessen, welchen tiefen Schmerz und Einsamkeit er empfunden haben muss, um sich zu so einer Tat hinreißen zu lassen. Die Modewelt wird ihn vermissen. Ruhe in Frieden, Alexander.

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~ von Annabell M. - 11. Februar 2010.

12 Antworten to “Denken, Glauben, Schreiben”

  1. Willkommen!
    Anekdoten von Cafe-Besuchern. Fantastische Idee. Ich bin gespannt.

  2. liebe annabell,
    es gibt leser, ja.
    warum ich hier dinge lese, von menschen die ich nicht kenne? warum?
    es ist eine frage die ich mir auch gestellt habe als ich im jänner meinen blog begonnen habe.
    ich habe zumindest für mich eine antwort gefunden, die wiederum einige fragen aufgeworfen hat. für mich ist es der versuch mit menschen in kontakt zu kommen. menschen die ähnlich wie ich denke, die mein denken bestätigen – dann bin ich nicht alleine mit meinem denken. menschen die anders denken und durch die ich meinen blick auf diese welt verändern kann.
    ja, es gibt leser und, ich kann ja nur von mir sprechen, sie sind interessiert an gendanken anderer.
    also ich bin auch kein berühmter mensch, dennoch haben menschen meine worte gelesen. wir wollen doch kontakt in einer welt die so groß geworden ist, die uns oft zwingt sich hinter der anonymität zu verstecken.

    ich möchte dich herzlich willkommen heißen in der blog welt und wünsche schöne begegnungen durch ein etwas anderes medium,
    michael.

    • Hallo Michael,
      vielen Dank für Deine schönen Begrüßungsworte. Wahrscheinlich hast du recht. Bloggen – oder öffentliche Kommunikation allgemein – ist eine Art, Kontakt zu Gleichgesinnten zu suchen. Ganz ähnlich verhält es sich ja auch auf meiner Arbeit. Kaum jemand geht in ein Café, nur um einfach etwas zu trinken. Klar, solche Bedürfnisse mag es geben, doch es ist irrational, sich an einen Tisch zu setzen und etwas zu konsumieren, was ich zuhause für einen Bruchteil des Preises haben könnte. Ein Großteil meiner Kunden möchte im Café kommunizieren… untereinander oder miteinander und wenn nicht verbal, dann zumindest, um das Treiben und das Leben der Anderen zu beobachten und in sich aufzusaugen… dies ist ja auch eine Art des sich Mitteilens ^^.

  3. Na, dann reih ich mich doch auch einmal in die Begrüßungsriege ein.

    Ich bin über Lord Foltermords Blog hier gelandet. Wenn ich jetzt sage „nettes Design“, ist das natürlich nur Eigennutz, da ich mich zufällig gerade erst gestern dazu entschlossen habe, mein(en) Blog auch umzugestalten…mit exakt diesem Theme…grrrrr^^

    Warum man sich für das Leben (oder Teile daraus) von anderen interessiert, ist tatsächlich seltsam. Aber genauso gibt es zahllose Blogs, die einem völlig schnurz sind – das darf man ja auch nicht vergessen. Interessant sind einfach ein paar kreative, lustige oder auch tiefgehendere Einträge. Und obwohl ich mich selbst nicht zu den Kommunikativsten zähle, beginnt man nach einer Zeit doch auch an der Teilöffentlichkeit „Blog“ eines anderen teilzuhaben und „mitzufiebern“.

    In diesem Sinne, einen guten Start!^^

    • Hallo Richard,

      vielen Dank für Deine lieben Begrüßungsworte. Das Design gefiel mir von allen Auswahlmöglichkeiten am Besten, auch wenn ich es noch ein wenig umgestalten würde, wenn ich nur wüßte wie ^^. Twitter hat dieses Problem viel besser gelöst finde ich, aber die Computer-Cracks würden mich für diese Aussage bestimmt wieder steinigen, weil man aus irgendwelchen Gründen WordPress und Zwitscherei nicht miteinander vergleichen kann ^^.

      Liebe Grüße,
      Annabell

  4. Schmerz, Glück und der Duft des Lebens – es ist schön, daran teil haben zu dürfen. Aus genau diesem Grund gehen wir doch beispielsweise auch ins Kino (und nicht nur wegen eines Schauspielers, dessen Lächeln so umwerfend ist, oder?). Anders als im Kino kann hier noch ein Dialog stattfinden. Das ist ganz klar ein Vorteil.
    In die Anonymität hineinzuschreiben kann befreiend sein, einfacher als sich einem Freund zu erklären. Und wenn man es gar nicht erwartet, kommt von irgendwoher ein Kommentar, der hilft, die Seele streichelt oder einfach nur neue Blickwinkel eröffnet. So geht es dem fremden Leser und im Idealfall auch dem Schreibenden.
    Ich werde gern mal wieder auf eine Geschichte aus dem Sein vorbeischauen.
    – Ben

    • Hallo Ben,
      ein kluger Vergleich, den Du da siehst. Das Leben ist ein Kinofilm und wir nehmen alle daran teil… Nun gut, wenn die Geschichten aus dem Leben gegriffen sind, mag das stimmen, anderernfalls kann sich der Spannungsbogen ganz schön in die Länge ziehen ^^.

      Hm… Anonymität als Voraussetzung zum Dialog mit der Welt. Ein interessanter Gedanke. Kritiker (und einige Psychologen übrigens auch 😉 behaupten ja, Blogger wären selbstgerechte Narzissten, die durch das Medium „Internet“ ihr Ego schmeicheln und ganz und garnicht an Selbstreflextion interessiert sind. Zugegeben, es gibt zahlreiche Blogs, bei denen sich mir genau diese Gedanke aufdrängt, ob ob ich dazu gehöre, kann ich nicht beurteilen ^^. Ich möchte einfach nur ein paar Geschichten aus dem Leben mit Euch teilen, ohen große Hintergedanken, die Worte fließen lassen und mit ihr vielleicht auch die innewohnende Wahrheit. Vielleicht bin ich auch nur ein hoffungslose Romantikerin ^^.

      Liebe Grüße,
      Annabell

  5. Er ist der Erste nicht.

  6. Den McQueen. Ich kann mit der Modebranche nicht viel anfangen. Aber wenn so viele Leute traurig sind, dann muss er was getaugt haben.
    In einem Blog habe ich von einem Anwalt gelesen der das gleiche gemacht hat und der hat sein Geld mit Abmahnabzockerei verdient. Da haben die Leute Beifall geklatscht das er sich getötet hat.
    Und der Kerl hat es verdient.

  7. Ich lese zwar erst seid kurzem deinen Blog, aber ich finde deinen Schreibstil sehr schön. Und ich glaube sollte ich mal in Darmstadt bin komme ich garantiert bei dir im Cafe vorbei und unterhalte mich mit dir.

    Gruß raffi

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